Zeit zum Durchatmen
Der November hatte für mich lange den Charme eines nassen Lappens; kalt, grau, erblassend. Die Natur zieht sich zurück, und ich ehrlich gesagt auch. Als Bauer hat sich nun mein Blick auf diesen Monat gründlich verändert. Im Frühling und im Sommer rannte ich dem spriessenden Grün hinterher. Jeder Tag brachte Aufgaben, die am besten schon gestern erledigt gewesen wären.
Da fühlt sich der November auf einmal wie ein weicher Teppich unter müden Füssen an. Die Vegetation wird ruhig, der Betrieb atmet aus. Es ist ein Monat, der einen fast sanft am Ärmel zieht und sagt: «komm, setz dich hin, denk nach, lass los.»
Plötzlich ist es völlig in Ordnung, drinnen zu bleiben, wenn draussen der Regen in Kübeln vom Himmel fällt. Die Wärme vom Kachelofen dürfen wir geniessen, ohne das nagende Gefühl, was draussen noch alles erledigt werden sollte.
Auf einmal ist der November zu einem heimlichen Freund geworden – einem Monat, in dem man wieder zu sich kommt. Dass ich ihn einmal mögen würde, hätte ich mir früher sicherlich nicht vorstellen können.
Text von Leonard Barahona