Nächtlicher Ausflug der Kühe
Hinter dem Berg haben wir eine Weide, wo sich Fuchs und Hase gute Nacht sagen. Wenn die Dämmerung hereinbricht, hüpfen Rehe durchs Gras, Wildschweine treiben Unfug und man hört den Kauz rufen. Nur eines mögen die Wildtiere nicht: die Elektrozäune, die wir Bauern im Frühling aufstellen.
Wir vermuten, dass die Rehe die Zäune nicht sehen können und trotz den Hindernissen versuchen auf ihren gewohnten Wegen entlang zu gehen. Dabei kommt es vor, dass sie das Zaunband zerreissen. Die entstandene Lücke bleibt unseren Kühen nicht verborgen. Neugierig untersuchen sie die Öffnung und manchmal entscheiden sie zu bleiben und, manchmal wird daraus ein Ausflug ins Unbekannte.
So geschah es im vergangenen Monat: um 21 Uhr riefen uns gleichzeitig 6 Personen an: unsere Kuhherde sei unterwegs zur Hauptstrasse in Thalheim. Wir fanden die Kühe schnell, zum Glück nicht auf der Strasse, aber im Getreidefeld daneben. Leonard hatte geistesgegenwärtig eine Rolle Zaunschnur mitgenommen, die wir in den Händen zwischen uns spannten. So entstand ein mobiler Zaun, mit dem wir die Herde Richtung Oberflachs treiben konnten.
Doch der Weg blieb heikel. Die Tiere kamen der Tempo-80-Strasse immer näher. Zwei Autofahrer hielten spontan an und halfen mit: einer bei den Tieren, einer regelte den Verkehr. Dank dieser Unterstützung kamen alle unverletzt bei der Bushaltestelle Kasteln an, wo wir endlich die Hauptstrasse verlassen konnten. Ab dort war offensichtlich, dass die Kühe den Weg wieder kannten – und Mensch und Tier waren sich einig: ab in den vertrauten Stall.
Am Ende ging alles gut aus – und einmal mehr zeigt sich, wie hilfsbereit die Menschen auf dem Lande sind. Dafür möchten wir uns bei allen Helfenden herzlich bedanken.